Veröffentlichung

"Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms im deutschen Versorgungsalltag" - Eine multizentrische, prospektive Beobachtungsstudie (HAROW) mit 2957 Patienten.

J. Herden, L. Ansmann, N. Ernstmann, D. Schnell, L. Weißbach

Deutsches Ärzteblatt 2016, 113 (19): S. 329-336

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HAROW-Studie – Forschen für mehr Lebensqualität

Wie kann Prostatakrebs optimal behandelt werden? Die größte deutsche Versorgungsstudie liefert Ärzten und Betroffenen dazu neue, wichtige Erkenntnisse.

Die Operation ist nur eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs

In Deutschland erkranken jährlich rund 70.000 Männer an einem Prostatakarzinom. Damit ist dieser Tumor das am häufigsten diagnostizierte Krebsleiden des Mannes überhaupt. Bei den krebsbedingten Todesursachen liegt er mit gut 12.000 Sterbefällen pro Jahr an dritter Stelle hinter Lungenkrebs und Darmkrebs.

Konfrontiert mit der Diagnose, beginnt für die betroffenen Männer und ihre behandelnden Ärzte das Abwägen zwischen mehreren Therapieoptionen. Eine sofortige operative Entfernung der Prostata kann den Krebs zwar oft heilen. Bei einem nicht unerheblichen Teil der Patienten kommt es in Folge dieser so genannten radikalen Prostatektomie aber zu dauerhaften Störungen der Blasenentleerung und der Potenz – beides Komplikationen, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Ähnliches gilt auch für die Strahlentherapie.

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs

Dank der Vorsorgeuntersuchungen, die jeder Mann ab 45 einmal im Jahr in Anspruch nehmen kann und sollte, werden viele Prostatakarzinome heute bereits in einem frühen Stadium entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Krebs auf einen kleinen Teil der Prostata beschränkt und enthält meist noch keine Gewebeanteile, die sich im Verlauf aggressiv ausbreiten.

Gerade diese lokal begrenzten Tumoren wachsen häufig sehr langsam. So langsam, dass Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen können bis sie sich zu einem medizinisch-klinisch relevanten Prostatakrebs entwickeln. Zudem sind 90 Prozent aller erkrankten Männer zum Zeitpunkt der Diagnosestellung älter als 60 Jahre. Beides zusammen führt dazu, dass Patienten, die ein lokal begrenztes Prostatakarzinom haben, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit nicht an dem Krebs sterben würden, sondern mit ihm.

Abwarten und Überwachen als Behandlungsstrategie

HAROW steht für die englischen Bezeichnungen der fünf möglichen Behandlungsmethoden bei lokal begrenztem Prostatakarzinom: Hormonal treatment, Active surveillance, Radiotherapy, Operation, Watchful waiting. Neben den traditionellen Behandlungsmöglichkeiten Operation und Strahlentherapie existieren demnach noch defensivere Methoden wie "Aktives Überwachen", "Langfristiges Beobachten" und die Hormontherapie. Für welche dieser fünf Behandlungsoptionen entscheiden sich niedergelassene Urologen in der Praxis?  Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus im Hinblick auf die Lebensqualität der betroffenen Männer? Um diese Fragen zu klären und neue Erkenntnisse zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms zu gewinnen, rief die Stiftung Männergesundheit die HAROW-Studie ins Leben. Durch die finanzielle Unterstützung der Gazprom Germania GmbH und den unabhängigen wissenschaftlichen Beirat ist HAROW frei von Einflüssen der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie.

Forschen für die Patienten - mit zukunftsweisenden Ergebnissen

Die HAROW Studie ist die erste urologische Versorgungsstudie zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms im deutschsprachigen Raum. Über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtete sie die Versorgungssituation von knapp 3.000 Patienten unter 75 Jahren. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden im April 2014 auf einem Kongress in Stockholm offiziell präsentiert. Eine Erkenntnis lautet, dass in Deutschland viele Männer mit lokal begrenztem Prostatakarzinom operiert werden, obwohl es zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht nötig ist. „Die meisten Patienten mit einem Niedrigrisiko-Karzinom können bei aktiver Überwachung einen solchen Eingriff lange Zeit zurückstellen“, sagt Lothar Weißbach.

Gerade bei älteren Männern, so der Leiter der Studie und ehemalige wissenschaftliche Vorstand der Stiftung Männergesundheit, sei die langfristige Beobachtung eine Alternative zu invasiven Maßnahmen wie der Operation, die allerdings noch zu selten eingesetzt wird. Die Betonung liegt dabei auf noch, weil Weißbach überzeugt ist, dass sich das in den nächsten Jahren drastisch ändern wird. Denn das wohl wichtigste Resultat von HAROW ist, dass sich die Strategie der Active Surveillance unter den momentanen Bedingungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland umsetzen lässt.

Lothar Weißbach

Immer mehr niedergelassene Urologen sind auch bereit, ihren Patienten eine zurückhaltende Vorgehensweise zu empfehlen, die den Erhalt der Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Um weitere Erkenntnisse über die optimale Behandlung von Männern mit Prostatakrebs – und hier insbesondere mit lokal begrenztem Karzinom - zu gewinnen, wurde eine wissenschaftliche Untersuchung initiiert, die an HAROW anschließt.

Dabei handelt es sich wiederum um eine Versorgungsstudie, wie Lothar Weißbach betont. „HAROW hat auch gezeigt, dass durch die Versorgungsforschung wichtige Fragen zum lokal begrenzten Prostatakarzinom beantwortet werden, die sich mit randomisierten Studien nicht klären lassen.“

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Folgende Informationen über die HAROW-Studie stehen zum Download bereit:

Informationen zum Datenbestand und einen Antrag zur Datennutzung finden Sie hier.

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