Vaterschaft: die unbekannte Revolution im Körper
Väter sind nicht nur „Helfer“ der Mutter, sondern prägen ihre Kinder biologisch und emotional – wenn die Umstände es zulassen. Das ist die Kernbotschaft dieser Dokumentation. Dafür haben die Reporter Forschende in aller Welt besucht. Sie begleiten etwa Untersuchungen auf den Philippinen, wo eine Wirtschaftskrise dazu geführt hat, dass heute oft die Frauen die Hauptverdiener sind und die Männer viel Zeit mit den Kindern verbringen. Oder solche in Tansania, wo bei einigen Ethnien die Väter eine besonders große Rolle spielen. Aber auch in Europa und den USA findet sich viel Material: Seit 1965 verbringen Väter in Deutschland, Frankreich und vielen anderen westlichen Ländern viermal so viel Zeit mit ihren Kindern wie früher.
Mit dem Thema Vaterschaft, lange ein Stiefkind der Wissenschaft, befassen sich heute Forschende verschiedener Disziplinen, von der Neurobiologie bis zur Anthropologie. Die unerwartete Erkenntnis ist, dass sich Vaterschaft und vor allem ein hohes Engagement von Vätern in der Erziehung auch biologisch niederschlagen. Ähnlich wie bei Müttern verändert die Geburt eines Kindes den Hormonhaushalt grundlegend in Richtung Fürsorge und Bindung. Je mehr sich ein Vater um sein Kind kümmert, desto stärker fällt dieser Effekt aus – und über die Epigenetik können diese Veränderungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden.
Doch nicht nur Biologie prägt die Vaterschaft. Der französische Bioakustiker Nicolas Mathevon widerlegt das Klischee, dass nur Mütter das Weinen ihres Babys sicher erkennen. Entscheidend dafür ist allein, wie viel Zeit ein Elternteil mit dem Kind verbringt. Und die israelische Neurobiologin Ruth Feldman zeigt: Bei schwulen Vätern, die gemeinsam ein Kind großziehen, aktivieren sich im Gehirn sowohl typisch „mütterliche“ als auch „väterliche“ Areale.
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy bestätigt diese Hypothese und betont die Bedeutung der sogenannten „Allo-Eltern“, die die biologischen Erzeuger beim Großziehen des Nachwuchses unterstützen. Dass Väter für die Entwicklung ihrer Kinder wichtig sind, ist kein modernes Phänomen. Studien an Baumsteigerfröschen und Nachtaffen belegen, dass väterliche Fürsorge in der Evolution schon früh überlebenswichtig war. Beim Menschen kommt es jedoch auf den gesellschaftlichen Rahmen an.
Die Botschaft der Forschung ist klar: Diese Dokumentation zeigt, wie Vaterschaft Männer tiefgreifend prägt und warum die Bindung zwischen Vater und Kind für unsere Gesellschaft essenziell ist.
Übrigens: ARTE hat kürzlich auch eine sehenswerte Dokumentation zum Thema Depression bei Männern gesendet.






