HAROW-Studie – Forschen für mehr Lebensqualität

Wie kann Prostatakrebs optimal behandelt werden? Die größte deutsche Versorgungsstudie liefert Ärzten und Betroffenen dazu neue, wichtige Erkenntnisse.

Die Operation ist nur eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs

In Deutschland erkranken jährlich rund 70.000 Männer an einem Prostatakarzinom. Konfrontiert mit der Diagnose, beginnt für die Betroffenen und ihre behandelnden Ärzte das Abwägen zwischen mehreren Therapieoptionen. Eine sofortige operative Entfernung der Prostata kann den Krebs zwar oft heilen. Bei einem nicht unerheblichen Teil der Patienten kommt es in Folge dieser so genannten radikalen Prostatektomie aber zu dauerhaften Störungen der Blasenentleerung und der Potenz – beides Komplikationen, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Ähnliches gilt auch für die Strahlentherapie.

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs

Dank der Vorsorgeuntersuchungen, die jeder Mann ab 45 einmal im Jahr in Anspruch nehmen kann und sollte, werden viele Prostatakarzinome heute bereits in einem frühen Stadium entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Krebs auf einen kleinen Teil der Prostata beschränkt und enthält meist noch keine Gewebeanteile, die sich im Verlauf aggressiv ausbreiten.

Gerade diese lokal begrenzten Tumoren wachsen häufig sehr langsam. So langsam, dass Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen können bis sie sich zu einem medizinisch-klinisch relevanten Prostatakrebs entwickeln. Zudem sind 90 Prozent aller erkrankten Männer zum Zeitpunkt der Diagnosestellung älter als 60 Jahre. Beides zusammen führt dazu, dass Patienten, die ein lokal begrenztes Prostatakarzinom haben, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit nicht an dem Krebs sterben würden, sondern mit ihm.

Abwarten und Überwachen als Behandlungsstrategie

HAROW steht für die englischen Bezeichnungen der fünf möglichen Behandlungsmethoden bei lokal begrenztem Prostatakarzinom: Hormonal treatment, Active surveillance, Radiotherapy, Operation, Watchful waiting. Neben den traditionellen Behandlungsmöglichkeiten Operation und Strahlentherapie existieren demnach noch defensivere Methoden wie "Aktives Überwachen", "Langfristiges Beobachten" und die Hormontherapie. Für welche dieser fünf Behandlungsoptionen entscheiden sich niedergelassene Urologen in der Praxis?  Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus im Hinblick auf die Lebensqualität der betroffenen Männer? Um diese Fragen zu klären und neue Erkenntnisse zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms zu gewinnen, rief die Stiftung Männergesundheit die HAROW-Studie ins Leben.

Forschen für die Patienten - mit zukunftsweisenden Ergebnissen

Die HAROW Studie ist die erste urologische Versorgungsstudie zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms im deutschsprachigen Raum. Über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtete sie die Versorgungssituation von knapp 3.000 Patienten unter 75 Jahren. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden im April 2014 auf einem Kongress in Stockholm offiziell präsentiert. Eine Erkenntnis lautet, dass in Deutschland viele Männer mit lokal begrenztem Prostatakarzinom operiert werden, obwohl es zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht nötig ist. „Die meisten Patienten mit einem Niedrigrisiko-Karzinom können bei aktiver Überwachung einen solchen Eingriff lange Zeit zurückstellen“, sagt Lothar Weißbach, Leiter der Studie.

Gerade bei älteren Männern sei die langfristige Beobachtung eine Alternative zu invasiven Maßnahmen wie der Operation.


Folgende Informationen über die HAROW-Studie stehen zum Download bereit:


Veröffentlichung

"Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms im deutschen Versorgungsalltag" - Eine multizentrische, prospektive Beobachtungsstudie (HAROW) mit 2957 Patienten.

J. Herden, L. Ansmann, N. Ernstmann, D. Schnell, L. Weißbach

Deutsches Ärzteblatt 2016, 113 (19): S. 329-336

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